Der Bogensport-Knigge

Gutes Benehmen ist gern gesehen - und dient der Sicherheit aller

Gutes Benehmen im 3D- und Feld- Bogensport

Im 3D- und Feld- Bogensport haben sich über die Jahre Verhaltensnormen etabliert, teils aus Sicherheitsgründen, teils aus Gründen der Höflichkeit und des Respekts, teils aus Naturschutzgründen. Der folgende Text stellt einen Versuch dar, diese Regeln zusammenzufassen und sinnvoll zu gliedern. Alle Punkte sind als Ziele formuliert. Ziele sind (wie beim Bogenschießen) nicht immer alle zu treffen, aber jeder versucht sein Bestes.

Sicherheit

  1. Bogenschießen ist eine Sportart, bei der man selbst und andere gefährdet werden können. Oberstes Gebot ist daher Achtsamkeit!
  2. Neugierige Zuschauer, unerfahrene Neulinge und Kinder werden lückenlos beaufsichtigt.
  3. Das ziehen eines Pfeils aus dem Köcher und das Einnocken auf die Sehne geschieht erst am Abschussplatz. Geschossen wir nur dann, wenn vor, neben und hinter dem Ziel eine Gefährdung ausgeschlossen werden kann. Das inkludiert auch die Sicherheit bei von Hindernissen abgelenkten Pfeilen.
    Bei verlassen des Abschußplatzes sind alle nicht geschossenen Pfeile nur im Köcher.
  4. Ein Bogenparcours ist nur in Richtung der nächst höheren Scheibennummer zu begehen. Einzige Ausnahme ist vor Schießbeginn, aber auch nur, wenn der Veranstalter die Wege zur ersten Scheibe anders vorgibt.
  5. Beschädigte Pfeile bergen erhebliche Verletzungsrisiken für den Schützen selbst und alle umstehenden Personen. Darum wird nach jedem Schuss jeder Pfeil gründlich überprüft.
  6. Alkohol ist ein Dopingmittel und ein Sicherheitsrisiko. Er wird darum weder angeboten noch konsumiert.

Der Organisator

  1. Er ist für die Sicherheit auf dem Parcours verantwortlich und hat für Notfälle einen erprobten Alarmplan organisiert. Neu erkannte Sicherheitsmängel werden sofort behoben.
  2. Er beachtet die Belange des Naturschutzes beim Aufbau, er vermeidet gefährliche Stellen, er sorgt für ausreichende Verpflegung und Sanitäreinrichtungen.
  3. Er macht zu Beginn allen Teilnehmern die Wettkampf- und Verhaltensregeln deutlich und setzt seine Anordnungen mit geeigneten Mitteln durch.
  4. Parcours und Schießkarten sind so organisiert, dass den Teilnehmern unterwegs keine weiteren Fragen entstehen.
  5. Er achtet auf eine ausgewogene Gruppeneinteilung und setzt eine erfahrene Person als Scheibenkapitän ein.
  6. Das Turnier soll anderen Vereinen eine Möglichkeit zum Leistungsvergleich bieten. Es soll nicht in erster Linie als Einnahmequelle angesehen werden.
  7. Er lernt aus der Kritik der Teilnehmer und verbessert sein nächstes Turnier.

Der Gruppenkapitän

  1. Der erstgenannte bzw. der erfahrenste Schütze der Gruppe ist der Gruppenkapitän. Er trägt die Verantwortung für die Gruppe.
  2. Er ist objektiv, neutral und gerecht. Er entscheidet die Wertung, wenn bei Grenzergebnissen keine kohärente Gruppenentscheidung erzielt werden kann, und teilt sie den Schreibern mit.
  3. Er kontrolliert während des Ansagens der Ergebnisse durch den Schützen jene mit den tatsächlich erzielten Ringzahlen.
  4. Er kontrolliert die korrekt ausgefüllten Punktekarten auf Vollständigkeit und Leserlichkeit und gibt diese beim Veranstalter verlässlich ab.
  5. Er entscheidet fair wann das Pfeile Suchen eingestellt wird nach Ablauf der Suchzeit, die vor Turnieranfang entweder vom Veranstalter oder in einer Gruppenentscheidung festgelegt wurden.
  6. Er ist für die Sicherheit und die Einhaltung der gültigen Regeln verantwortlich.
  7. Der Gruppenkapitän übernimmt die Verantwortung über gruppeninterne Hunde, wenn der Besitzer dies gerade nicht tun kann (z.B. beim Schießen oder Scoren).

Die Schreiber

  1. Der zweite Schütze auf der Gruppenliste ist der erste Schreiber. Zum Ausschluss von Fehlern wird der dritte Schütze auf der Gruppenliste zum zweiten Schreiber.
  2. Es sind somit zwei unabhängig arbeitende und sich gegenseitig überprüfende Schreiber im Einsatz die bei mehrtägigen Turnieren auch mit den Pullern wechseln können.
  3. Sie notieren eindeutig und leserlich alle angesagten Ergebnisse
  4. Sie addieren und kontrollieren die Ringzahlen auf den Schießkarten (Scoreblatt).
  5. Sie teilen Zwischenergebnisse nur auf Wunsch mit.
  6. Die Schreiber dürfen sich von den Pullern ihre Pfeile Ziehen lassen.

Die Puller

  1. Der vierte und jeder weitere Schütze der Gruppenliste ist für das Pfeile ziehen und auch das Pfeile Suchen zuständig.
  2. Mindestens ein Puller kontrolliert die vom Schützen an die Schreiber angesagten Trefferergebnisse.
  3. Aus Zeigründen dürfen alle weiteren Puller verschossene Pfeile während der Auswertung schon suchen gehen, so fern ihre Pfeilergebnisse schon gescored worden sind.

Die Gruppe

  1. Sie hält sich an die Regeln, Zeiten und andere Vorgaben des Veranstalters.
  2. Sie bleibt immer zusammen, man hilft und achtet einander und sorgt für Chancengleichheit z.B. durch ein rollierendes System.
  3. Sie hält den Geräuschpegel niedrig, um Mensch und Tier nicht zu stören.
  4. Sie achtet auf Spaziergänger und integriert neugierige Beobachter.
  5. Abseits von Wegen läuft sie aus Naturschutzgründen nur hintereinander und nur auf dem Pfad der vorangegangenen Gruppe.
  6. Sie läuft nicht auf direktem Weg vom Pflock zur Scheibe und verändert so das Schussbild für die nachfolgenden Gruppen, sondern benutzt den Pfad neben der Schussbahn.
  7. Beim Pfeile suchen bleibt immer ein Teilnehmer sichtbar vor der Scheibe stehen, um die nachfolgende Gruppe auf sich aufmerksam zu machen.
    Es muss zumindest ein Bogen deutlich sichtbar vor das Ziel gestellt werden um nachfolgenden Gruppen ein Pfeile suchen anzuzeigen.
  8. Sie hastet und sie trödelt nicht oder sucht lange nach ihren Pfeilen, sondern geht mit einer Geschwindigkeit durch den Parcours, die vorausgehende oder nachfolgende Gruppen nicht stört.
  9. Sie sucht Pausenstände immer auf. Langsame Gruppen werden nur dort und nur nach Absprache überholt. Der Tausch von Schützen ist keine Alternative.
  10. Sie löst sich nicht ohne höfliche Verabschiedung voneinander auf.

Der Schütze

  1. Er hat sich über die aktuellen Regeln informiert, er ist passend gekleidet und ausgerüstet und führt eine ausreichende Anzahl Pfeile mit sich.
  2. Er ist Teil seiner Gruppe, seine Stimmung färbt auf die Gruppe ab. Deshalb verbreitet er nur gute Laune. Er jammert nicht, drängt seine Erfahrung anderen nicht auf und bringt erst nach dem Schießen konstruktive Kritik vor.
  3. Er hilft wo er kann und ist niemandem im Weg. Er lässt anderen mehr als genügend Platz zum Schießen und bietet ihnen die Möglichkeit zur Konzentration.
  4. Er betritt den Abschussplatz erst, wenn die Scheibe frei ist, er verlässt diesen nur nach hinten und zieht sich hinter die nach ihm Schießenden zurück.
  5. Er ist ehrlich zu sich selbst und anderen, achtet auf eine korrekte Wertung und macht Einsprüche sofort oder nie geltend.
  6. Er behandelt fremde Pfeile mindestens so sorgfältig wie seine eigenen, aber er zieht diese nur nach beendeter Wertung und nur mit Erlaubnis aus der Scheibe.
  7. Während Gruppenkapitän und Schreiber die Treffer werten, darf er schon nach allen Pfeilen, die seine Gruppe verschossen hat, suchen.
  8. Er hält sich an Rauchverbote und trägt mehr Müll aus dem Parcours heraus als hinein.

Hunde im Parcours

  1. Im Parcours findet man nur wohlerzogene Vierbeiner, die weder die Ruhe der Natur noch die Konzentration der Schützen stören.
  2. Sie werden im Wald an der Leine geführt und lassen ihre Exkremente nicht auf den Pfaden zurück.

Ausrüstung

  1. Bogen und Pfeile werden stets vor klimatischen und mechanischen Einflüssen geschützt. Bogen und Sehne werden vor dem Aufspannen überprüft.
  2. Ein fremder Bogen wird nur berührt, wenn die Situation es erfordert. Er wird keinesfalls aufgespannt, ausgezogen oder geschossen ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Besitzers.
  3. Ein Bogen wird nur mit den zugehörigen Pfeilen verwendet, und er wird niemals ohne Pfeil „geschossen“.
  4. Zum Ziehen werden die Pfeile ganz vorne gefasst, nicht in der Hand verbogen, in gerader Linie aus der Scheibe gezogen und eventuell dabei rechts herum gedreht, um geschraubte Spitzen nicht zu lockern. Hierbei wird auf die Umstehenden geachtet, denn es besteht ein Verletzungsrisiko mit der Pfeilnocke.

Nachwort

Es sollte unser Ziel sein, einen brauchbaren „Bogensport-Knigge“ zu erarbeiten, der allgemeine Beachtung findet. Anregungen und Verbesserungsvorschläge sind gerne gesehen, das Kopieren und Verbreiten dieses Textes ist ausdrücklich erlaubt und erwünscht. Bei jeder Veränderung des Textes wird sich die Versionsnummer erhöhen, damit der aktuelle Diskussionsstand für jeden ersichtlich bleibt. Dank geht hier an den ursprünglichen Verfasser: Frank Schmitt.

Letzte Änderung: 8. Jan 2017 @ 10:55